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10 - Männer in Ketten

Inmitten ihres Unrates kauernd, die Hände und die Füße mit Ketten belastet, konnten sie sich weder ausstrecken, noch niederlegen, noch einen Augenblick lang ausruhen. Die geringste Bewegung, die den Prangerring um ihren Hals zucken machte und ihn in Berührung mit ihrem offenen, blutunterlaufenen Nacken brachte, ließ sie ein Schmerzensgeheul ausstoßen, in das sich gräßliche Beschimpfungen gegen uns und flehentliche Bitten zu den Göttern abwechselnd mischten.

Ich war stumm vor Entsetzen.

Leicht beweglich wie immer, von einem hübschen Schauer geschüttelt, mit den gewohnten zierlichen Bewegungen spießte Clara in dem Korb des Boys einige winzige Fleischstückchen auf, die sie in ihrer zierlichen Weise durch die Barren in den Käfig hereinschleuderte. In demselben Augenblick bewegten sich die zehn Köpfe auf den mit Gleichgewicht gehaltenen Prangerringen, sie warfen auf das Fleisch wütende Blicke, Blicke des Entsetzens und des Hungers, dann kam gleichzeitig ein Schmerzensschrei aus den zehn verzogenen Mündern, und ihrer Machtlosigkeit bewußt, rührten sich die Verurteilten nicht mehr. Sie blieben unbeweglich, den Kopf leicht geneigt und wie bereit, über die abschüssige Ebene des Prangerringes hinabzurollen, eine Art von unbeweglichem Grinsen.

“Sie können nichts essen”, erklärte Clara, “sie können das Fleisch nicht erreichen.”

Sie warf noch einmal durch das Gitter ein kleines Stück Aas, das auf einen der Prangerringe fiel und ihn leicht erzittern machte. Dumpfes Grollen antwortete auf diese Bewegung, ein noch wilderer und verzweifelterer Haß blitzte gleichzeitig in den zwanzig Augensternen auf. Unwillkürlich wich Clara zurück.

“Siehst Du”, fuhr sie mit etwas unsicherem Tone fort, “das macht ihnen Spaß, wenn ich ihnen Fleisch gebe. Das zerstreut diese armen Teufel einen kleinen Augenblick lang und gibt ihnen ein wenig Illusion. Aber vorwärts, wir müssen vorwärts zu kommen suchen.”

Wir gingen langsam vor den zehn Käfigen vorüber. Die Frauen, die davor standen, stießen helle Schreie aus oder lachten in toller Weise oder gaben sich auch leidenschaftlichem Mienenspiel hin. Ich sah eine Russin, ein hellblondes Weib, mit klaren, kalten Augen den Gefolterten am Ende ihres Sonnenschirmes ein scheußliches, grünes, verfaultes Stück Fleisch hinhalten, das sie abwechselnd hin- und herzog. Die Gefangenen spitzten ihre Lippen, zeigten die Zähne wie wütende Hunde mit einem Ausdruck des Hungers, der nichts Menschliches mehr an sich hatte; sie versuchten nach der Nahrung zu schnappen, die stets ihrem Munde, vor den bereits Schaum getreten war, entfloh.

Aus der Reihe "Garten der Qualen" 29.12.2007 Weiter lesen

imageOctave Mirbeau schrieb obige erotische Geschichte. - Der französische Schriftsteller wurde 1850 bei Bayeux geboren und starb 1917 in Paris. Bekannt war er für kritisch-satirische Romane und sozial-engagierte Bühnenstücke. Aufsehen erregte sein Theaterstück "Geschäft ist Geschäft" aus dem Jahr 1903. Mit ätzender Schärfe legt er hier bloß, wie einem Geschäftsmann der Profit wichtiger ist als Freunde und Familien. Weitere Werke: "Tagebuch einer Kammerzofe" (Roman, 1900) und "Der Garten der Qualen" (Roman, 1899).

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Ein perverses Werk - Im Jahr 1899 erscheint "Der Garten der Qualen" - und wird unmittelbar zu einem Skandal. Das Buch (französischer Originaltitel : Le Jardin des supplices) verstört die Zeitgenossen mit seiner drastischen Schilderung der Sexualität; mehr aber noch mit der Lebenshaltung, die hinter den geschilderten sexuellen Verhaltensweisen aufleuchtet. Sie wird als pervers empfunden. Eine Einführung in das Werk "Der Garten der Qualen".

erotische geschichten

Die Erotik-Reihe "Garten der Qualen" - alle bisherigen Folgen

Die erste Geschichte der Reihe stehen in der Liste oben, neueste Liebesgeschichten stehen unten.

“Schamloses Machwerk, skandalöses Buch!”
01 - Die Vögel verschmähten ihren Leichnam
02 - Junge Mädchen in Russland - von Soldaten zu Tode gefickt
03 - Bald war meine Lanze rau und rot
04 - Auf dem Weg zum Garten der Qualen
05 - Das verwesende Fleisch
06 - Die Wollust der Menschen
07 - Die Qualen der Wollust
08 - Die glühende Gerte auf dem Fleische
09 - Stinkendes Fleisch und zuckende Leiber
11 - Im Garten der Qualen

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